Hintergrund

Die Digitalisierung ist der wesentliche Treiber für die technologische Weiterentwicklung, für die Transformation traditioneller Branchen, für die Veränderung bestehender Institutionen, für die Schaffung neuartiger Märkte und Wertschöpfungsmodelle sowie vielfältiger Dienstleistungen (vgl. auch Digitale Agenda 2014–2017 der Bundesregierung). In Deutschland sind schon frühzeitig wichtige Grundsteine für diese Entwicklungen gelegt worden, beispielsweise als im Jahr 1861 Johann Philipp Reis das Telefon erfand, Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Telefonhersteller Siemens der größte Elektronikkonzern der Welt wurde, Mitte des vergangenen Jahrhunderts Konrad Zuse die ersten digitalen Rechenanlagen entwickelte, später Heinz Nixdorf die ersten Kleincomputer in den Markt einführte und SAP die Digitalisierung von Geschäftsprozessen vorantrieb. Seither ist die Entwicklung digitaler Technologien verstärkt aus anderen Wirtschaftsräumen heraus vorangetrieben worden, freilich immer wieder ergänzt durch erfreuliche Zutaten auch aus unserem näheren Umfeld.

Digitalisierung als Konvergenz-Enabler:
Neue Effizienz- und Wachstumspotentiale mit internationaler Dimension

Heute stehen wir vor der fundamentalen Herausforderung, bestehende Infrastrukturen zu digitalisieren und auf dieser Basis intelligent zu verknüpfen, um infrastrukturbasierte Dienstleistungen und Wertschöpfungsprozesse effizienter zu erstellen sowie neuartige Services zu ermöglichen. Die bis heute existierenden Infrastrukturen sind – auch auf Grund der historischen Entwicklung – getrennt voneinander auf- und ausgebaut worden. Sie bestehen daher als weitgehend geschlossene Systeme parallel nebeneinander, die teilweise bereits seit Jahrhunderten, wie z. B. die verschiedenen 

Verkehrsinfrastrukturen, getrennt voneinander optimiert worden sind. Der Wandel bestehender Infrastrukturen durch die Digitalisierung hat sich bisher weitgehend unerforscht vollzogen, so dass technologische und gesellschaftliche Konsequenzen – wie auch zugehörige Kosten – kaum transparent wurden und fundamentaler Gestaltungsbedarf nicht frühzeitig genug erkannt werden konnte. Auch trägt die Digitalisierung zur Öffnung und Verknüpfung vormals getrennter Infrastruktursysteme bei.

Damit entstehen zunehmend Interdependenzen, die grenzüberschreitende Infrastrukturkonzepte erforderlich machen. Die Herausbildung Intelligenter Netze und Dienste, verstanden als Verknüpfung und Autonomisierung bislang getrennter Systeme und Funktionen, wird in der aktuellen Diskussion insbesondere für die Anwendungsfelder Verkehr, Energie, Gesundheit, Verwaltung und Bildung sowie in sich zunehmend verbreiternden und überlappenden Einsatzfeldern wie Smart Home, Smart Produktion bis hin zu Smart City oder Smart Region erwartet. Durch die Realisierung Intelligenter Netze und Dienste und damit auch die Verknüpfung vormals getrennter Infrastrukturen werden bisher nicht gehobene Effizienz- und Wachstumspotenziale und damit auch wesentliche Kostenvorteile bzw. Komfortgewinne möglich.

In jedem Fall gilt es, diese Entwicklung aktiv zu fördern und im Bereich Intelligenter Netze und Dienste Schlüsseltechnologien in Deutschland zu entwickeln, welche international als Best-In-Class Technologien anerkannt werden und für entsprechendes wirtschaftliches Wachstum sorgen können. Die Analyse des Forschungs- und Entwicklungsbedarfs ist zunächst breit anzulegen, um das Einsatz- und Gestaltungspotenzial künftiger Intelligenter Netze und Dienste möglichst vollständig zu erfassen.